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Gleissystem-Vergleich H0 2026: Was dieselbe Anlage in fünf Systemen kostet
Wir haben dieselbe Anlage — Oval, Ausweichgleis, Abstellgleis — in fünf H0-Systemen wirklich gebaut und zu Tagespreisen durchgerechnet. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten liegen rund 50 €.
von Georg Wächter
„Welches Gleissystem ist das beste?" ist die meistgestellte Einsteigerfrage — und die am schlechtesten beantwortete. In den Foren wird argumentiert. Wir haben stattdessen gerechnet.
Dafür bauen wir in jedem System dieselbe kleine, aber vollständige Anlage: ein Oval, ein Ausweichgleis, ein Abstellgleis — drei Weichen, rund 2,2 × 0,9 Meter. Dann zählen wir, welche Teile das System dafür braucht, und legen die Tagespreise eines echten Händlers darüber.
Das Ergebnis
Stand 9. Oktober 2026 · Modellbahn Union · Euro · Region DACH
| System | Kosten | Differenz | Teile |
|---|---|---|---|
| Piko A | ≈ 247 € | — | 35 |
| Roco geoLine | ≈ 256 € | + 9 € | 39 |
| Peco H0 Code 100 Setrack | ≈ 286 € | + 39 € | 31 |
| Märklin C | ≈ 295 € | + 48 € | 36 |
| Piko A mit Bettung | ≈ 297 € | + 50 € | 35 |
Die Preise sind auf volle Euro gerundet: Händlerpreise schwanken täglich. „Differenz“ ist der Aufpreis gegenüber dem günstigsten System. Die aktuelle Summe für deinen Plan zeigt die Stückliste im Editor.
Zwischen dem günstigsten und dem teuersten System liegen rund 50 € — rund 20 % für exakt dieselbe Anlage.
Gerechnet ist die Anlage ohne Digitalsteuerung: Gleis, die drei separat zu kaufenden Weichenantriebe und das Stellpult, mit dem man sie schaltet. Draußen bleibt die Stromversorgung — analog der Trafo, digital die Zentrale. Beide hängen an der Anlagengröße, nicht am Gleissystem.
Drei Dinge, die man daran ablesen kann
Teilezahl und Preis laufen gegeneinander. Peco Setrack braucht mit 31 Teilen die wenigsten und ist trotzdem teurer als Piko A mit 35 und Roco geoLine mit 39. Wer Systeme über „wie viele Teile brauche ich" vergleicht, liegt daneben — und wer sie über den Preis eines einzelnen Bogens vergleicht, ebenfalls. Nur die fertige Anlage beantwortet die Frage.
Die Weichen sind ein großer Block — den Unterschied macht aber das Gleis. Bei Märklin C kosten die drei Weichen rund 56 € und ihre Antriebe rund 60 €, mit Stellpult also rund 137 € — 46 % der Summe, und kein Zentimeter Gleis ist dabei. Bei Roco geoLine, dem zweitgünstigsten System, ist dieser Block mit rund 160 € sogar rund 24 € teurer. Die rund 39 € Unterschied zwischen den beiden stecken also ganz im Gleis. Wer mehr als drei Weichen plant, verschiebt diese Tabelle — und zwar über die Antriebe, deren Stückpreis von rund 15 € (Peco) bis rund 28 € (Piko) reicht.
Bettung kostet Aufpreis — messbar. Piko A und Piko A mit Bettung sind dieselbe Anlage in derselben Größe. Die Bettungsvariante kostet rund 50 € mehr, also gut 20 %.
Warum dieser Vergleich anders ist
Eine Stückliste aus Zielmaßen zusammenzurechnen ist einfach — und kann Teile enthalten, die sich nie zu einer geschlossenen Anlage fügen. Ein Oval geht nur auf, wenn die Bogenwinkel 360° ergeben; ein Ausweichgleis nur, wenn es einen Bogen gibt, der den Weichenabzweig genau wieder parallel legt.
Deshalb wird die Anlage in jedem System wirklich gebaut und geprüft: Jede Verbindung muss deckungsgleich sein, der Ring muss schließen, das Ausweichgleis muss an beiden Weichen ankommen. Was nicht schließt, taucht hier nicht als Zahl auf.
An dieser Prüfung scheitert ein System: Tillig H0 Elite. Zum Abzweig der Elite-Weiche gibt es im Katalog keinen Gegenbogen, der das Ausweichgleis wieder parallel legt — Elite ist ein Flexgleis-System, und mit Katalogteilen allein geht diese Anlage dort nicht auf. Rechnerisch ließe sich eine Summe bilden (rund 281 €); sie stünde aber neben einer Anlage, die so niemand bauen kann. Also steht sie nicht da.
Alle fünf Anlagen der Tabelle kannst du dir direkt ansehen — echte Pläne, drehbar, mit Stückliste:
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Dieselbe Anlage, fünf Systeme — Oval, Ausweichgleis, Abstellgleis auf 2,2 × 0,9 m. Seitwärts blätterst du von System zu System; „Interaktiv ansehen“ lädt den Plan zum Drehen und Zoomen.
Welches System für wen?
Wenig Budget, feste Anlage, soll echt aussehen → Piko A oder Roco geoLine. Die beiden liegen rund 9 € auseinander, sind aber verschiedene Angebote: Piko A ist blankes Gleis mit dem günstigsten Meterpreis im Test (dafür der teuerste Antrieb), Roco geoLine bringt die Bettung schon mit. Bei Piko A rechne Kork und Schotter dazu (siehe unten).
Aufbauen, abbauen, Kinder, schnell fahren → Roco geoLine, Piko A mit Bettung oder Peco Setrack. Bettungsgleis ist trittfester und betriebssicherer.
Märklin-Fahrzeuge im Schrank → Märklin C. Die Entscheidung Mittelleiter fällt ohnehin über die Fahrzeuge, nicht über das Gleis — und das C-Gleis ist mit rund 295 € kein Ausreißer. Es ist das zweitteuerste der fünf, aber der Abstand nach oben beträgt knapp 2 € und nach unten gut 9 €: eine Frage von Prozenten, nicht von Klassen.
Der Posten, den fast alle vergessen
Bei 52 von 76 Systemen ist der Weichenantrieb nicht dabei: Die Weiche liegt als Handweiche im Karton. Ein mittlerer Bahnhof hat schnell zwölf Weichen — bei Märklin C rund 240 € allein für die Antriebe.
Und der Antrieb allein schaltet noch nichts. Analog kommt ein Stellpult dazu (ein Vierfach-Pult für vier Antriebe, rund 21 €), digital ein Decoder. In unseren Summen oben steckt das Pult; in den meisten Vergleichen im Netz steckt keines von beiden.
Drei Fallen dabei:
„Eine Weiche = ein Antrieb" stimmt nicht immer. Eine Dreiwegweiche braucht zwei Antriebe, eine doppelte Gleisverbindung bis zu vier. Wer nach Weichenzahl kalkuliert, rechnet ausgerechnet die teuersten Bauteile zu billig.
Digital ist billiger, als die meisten rechnen. Man liest oft „ein Decoder je Weiche" und multipliziert. Ein Vierfach-Baustein schaltet aber vier Antriebe: Bei zwölf Antrieben stehen rund 106 € (drei Bausteine) gegen rund 459 € (zwölf Einbau-Decoder) — Faktor 4,3.
Aber nicht jeder Baustein schaltet jeden Antrieb. Das ist die Falle hinter der Falle. Die gängigen Weichendecoder sind Doppelspulen-Bausteine; ein motorischer Unterflurantrieb (Tillig 86112 etwa, den sechs Systeme unseres Bestands benutzen) lässt sich damit nicht schalten. Dasselbe gilt analog: Manche Stellpulte setzen Antriebe mit Endabschaltung voraus. Bevor du einen Baustein kaufst, prüf also nicht nur die Kanalzahl, sondern die Bauart deines Antriebs.
Die offene Stelle: Roco Line und Rocoline fehlen
Diese Tabelle ist noch nicht vollständig, und die Lücke ist eine relevante. Roco Line und Rocoline mit Bettung fehlen, weil in unseren eigenen Daten mehrere Teile keine echte Hersteller-Artikelnummer tragen (interne Kennungen wie D4, D8). Ohne Artikelnummer kein Preis, ohne Preis keine Summe.
Beide sind ernstzunehmende Kandidaten: Rocoline reicht bis 1962 mm Radius — mehr als jedes andere System im Test — und beide führen Flexgleis und Doppelkreuzungsweiche. Wer sie auf der Liste hat, sollte sie nicht wegen ihres Fehlens hier abhaken. Wir tragen sie nach, sobald die Nummern gepflegt sind.
Für die USA gibt es aus demselben Grund keine Summe: Der dortige Händler verkauft Gleise überwiegend als Packung, und die Stückzahl steht nur im Produkttitel. Daraus zu rechnen hieße raten — das lassen wir lieber leer. Und für UK steht bisher eine einzige Summe (Peco Setrack, ab rund 195 £); dort führt keiner unserer Händler ein Stellpult, deshalb das „ab".
Was in den Zahlen nicht steckt
Die Beträge vergleichen blankes Gleis mit Bettungsgleis, nicht mit fertig geschottertem Gleis. Für ein System ohne Bettung kommen Bettungsband, Schotter und Kleber dazu — rund sieben Meter Gleis bei dieser Anlage. Das Bettungsband lässt sich rechnen (Kork, 3 m je Packung, ab knapp 17 €); bei Schotter und Kleber nennt kein Hersteller eine Reichweite in Metern Gleis. Diese beiden Posten weisen wir deshalb als „Preis bekannt, Menge unbekannt" aus, statt eine Zahl zu erfinden.
Und: Preise ändern sich. Der Stand oben ist der 9. Oktober 2026. Wir rechnen den Datensatz neu, wenn sich die Datenlage ändert — die Zahlen hier sind ein Auszug daraus, keine handgepflegte Liste. Die Kostenspalte in der Kaufberatung rechnet sogar täglich neu; weicht sie vom Beitrag hier ab, ist sie die jüngere Zahl.
Die ganze Entscheidungskette — Zweileiter oder Mittelleiter, mit oder ohne Bettung, Profilhöhe, Weichenformen, welches System noch hergestellt wird — steht in unserer Kaufberatung: Welches Gleissystem passt zu dir?