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Gleissystem-Vergleich H0 2026: Was dieselbe Anlage in fünf Systemen kostet

Wir haben dieselbe Anlage — Oval, Ausweichgleis, Abstellgleis — in fünf H0-Systemen wirklich gebaut und zu Tagespreisen durchgerechnet. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten liegen 51 €.

von Georg Wächter

„Welches Gleissystem ist das beste?" ist die meistgestellte Einsteigerfrage — und die am schlechtesten beantwortete. In den Foren wird argumentiert. Wir haben stattdessen gerechnet.

Dafür bauen wir in jedem System dieselbe kleine, aber vollständige Anlage: ein Oval, ein Ausweichgleis, ein Abstellgleis — drei Weichen, rund 2,2 × 0,9 Meter. Dann zählen wir, welche Teile das System dafür braucht, und legen die Tagespreise eines echten Händlers darüber.

Das Ergebnis

Stand 29. September 2026 · Modellbahn Union · Euro · Region DACH

SystemKostenTeile
Roco geoLine245,76 €39
Piko A246,93 €35
Peco H0 Code 100 Setrack285,72 €31
Märklin C295,20 €36
Piko A mit Bettung296,75 €35

Zwischen dem günstigsten und dem teuersten System liegen 50,99 € — rund 21 % für exakt dieselbe Anlage.

Gerechnet ist die Anlage ohne Digitalsteuerung: Gleis, die drei separat zu kaufenden Weichenantriebe und das Stellpult, mit dem man sie schaltet. Draußen bleibt die Stromversorgung — analog der Trafo, digital die Zentrale. Beide hängen an der Anlagengröße, nicht am Gleissystem.

Eine frühere Fassung dieses Beitrags nannte andere Zahlen, und die Reihenfolge war eine andere. Bis zum 29.09.2026 hing bei Märklin C und Roco geoLine ein Weichendecoder je Weiche in der Summe, bei den übrigen nicht — zwei digitale Beträge standen also neben vier analogen. Damit war Märklin C das teuerste und Piko A das günstigste System. Beides war ein Artefakt der Rechnung, nicht des Gleises. Seit alle Summen denselben Umfang haben, ist Roco geoLine das günstigste, und zwischen Märklin C und Piko A mit Bettung liegen 1,55 €.

Drei Dinge, die man daran ablesen kann

Teilezahl und Preis laufen gegeneinander. Peco Setrack braucht mit 31 Teilen die wenigsten und ist trotzdem teurer als Piko A mit 35 und Roco geoLine mit 39. Wer Systeme über „wie viele Teile brauche ich" vergleicht, liegt daneben — und wer sie über den Preis eines einzelnen Bogens vergleicht, ebenfalls. Nur die fertige Anlage beantwortet die Frage.

Die Weichen sind ein großer Block — den Unterschied macht aber das Gleis. Bei Märklin C kosten die drei Weichen 55,97 € und ihre Antriebe 59,97 €, mit Stellpult also 136,51 € — 46 % der Summe, und kein Zentimeter Gleis ist dabei. Bei Roco geoLine, dem günstigsten System, ist dieser Block mit 160,43 € sogar 23,92 € teurer. Die 49,44 € Unterschied zwischen den beiden stecken also ganz im Gleis. Wer mehr als drei Weichen plant, verschiebt diese Tabelle — und zwar über die Antriebe, deren Stückpreis von 15,30 € (Peco) bis 28,12 € (Piko) reicht.

Bettung kostet Aufpreis — messbar. Piko A und Piko A mit Bettung sind dieselbe Anlage in derselben Größe. Die Bettungsvariante kostet 49,82 € mehr, also gut 20 %.

Warum dieser Vergleich anders ist

Eine Stückliste aus Zielmaßen zusammenzurechnen ist einfach — und kann Teile enthalten, die sich nie zu einer geschlossenen Anlage fügen. Ein Oval geht nur auf, wenn die Bogenwinkel 360° ergeben; ein Ausweichgleis nur, wenn es einen Bogen gibt, der den Weichenabzweig genau wieder parallel legt.

Deshalb wird die Anlage in jedem System wirklich gebaut und geprüft: Jede Verbindung muss deckungsgleich sein, der Ring muss schließen, das Ausweichgleis muss an beiden Weichen ankommen. Was nicht schließt, taucht hier nicht als Zahl auf.

Genau daran ist ein System gescheitert, das in einer früheren Fassung dieser Tabelle noch stand: Tillig H0 Elite. Zum Abzweig der Elite-Weiche gibt es im Katalog keinen Gegenbogen, der das Ausweichgleis wieder parallel legt — Elite ist ein Flexgleis-System, und mit Katalogteilen allein geht diese Anlage dort nicht auf. Rechnerisch ließe sich eine Summe bilden (281,20 €); sie stünde aber neben einer Anlage, die so niemand bauen kann. Also steht sie nicht da.

Alle fünf Anlagen der Tabelle kannst du dir direkt ansehen — echte Pläne, drehbar, mit Stückliste:

Gleisplan „Roco geoLine“ — gerenderte Übersicht
Roco geoLine 245,76 € · 39 Teile Plan in neuem Tab öffnen · Drehen, zoomen, Stückliste
Gleisplan „Piko A“ — gerenderte Übersicht
Piko A 246,93 € · 35 Teile Plan in neuem Tab öffnen · Drehen, zoomen, Stückliste
Gleisplan „Peco H0 Setrack“ — gerenderte Übersicht
Peco H0 Setrack 285,72 € · 31 Teile Plan in neuem Tab öffnen · Drehen, zoomen, Stückliste
Gleisplan „Märklin C“ — gerenderte Übersicht
Märklin C 295,20 € · 36 Teile Plan in neuem Tab öffnen · Drehen, zoomen, Stückliste
Gleisplan „Piko A mit Bettung“ — gerenderte Übersicht
Piko A mit Bettung 296,75 € · 35 Teile Plan in neuem Tab öffnen · Drehen, zoomen, Stückliste

Dieselbe Anlage, fünf Systeme — Oval, Ausweichgleis, Abstellgleis auf 2,2 × 0,9 m. Seitwärts blätterst du von System zu System; „Interaktiv ansehen“ lädt den Plan zum Drehen und Zoomen.

Welches System für wen?

Wenig Budget, feste Anlage, soll echt aussehen → Piko A oder Roco geoLine. Die beiden liegen 1,17 € auseinander, sind aber verschiedene Angebote: Piko A ist blankes Gleis mit dem günstigsten Meterpreis im Test (dafür der teuerste Antrieb), Roco geoLine bringt die Bettung schon mit. Bei Piko A rechne Kork und Schotter dazu (siehe unten).

Aufbauen, abbauen, Kinder, schnell fahren → Roco geoLine, Piko A mit Bettung oder Peco Setrack. Bettungsgleis ist trittfester und betriebssicherer.

Märklin-Fahrzeuge im Schrank → Märklin C. Die Entscheidung Mittelleiter fällt ohnehin über die Fahrzeuge, nicht über das Gleis — und das C-Gleis ist mit 295,20 € nicht der Ausreißer, für den es hier lange stand. Es ist immer noch das zweitteuerste der fünf, aber der Abstand nach oben beträgt 1,55 € und nach unten 9,48 €: eine Frage von Prozenten, nicht von Klassen.

Der Posten, den fast alle vergessen

Bei 43 von 63 Systemen ist der Weichenantrieb nicht dabei: Die Weiche liegt als Handweiche im Karton. Ein mittlerer Bahnhof hat schnell zwölf Weichen — bei Märklin C rund 240 € allein für die Antriebe.

Und der Antrieb allein schaltet noch nichts. Analog kommt ein Stellpult dazu (ein Vierfach-Pult für vier Antriebe, rund 21 €), digital ein Decoder. In unseren Summen oben steckt das Pult; in den meisten Vergleichen im Netz steckt keines von beiden.

Drei Fallen dabei:

„Eine Weiche = ein Antrieb" stimmt nicht immer. Eine Dreiwegweiche braucht zwei Antriebe, eine doppelte Gleisverbindung bis zu vier. Wer nach Weichenzahl kalkuliert, rechnet ausgerechnet die teuersten Bauteile zu billig.

Digital ist billiger, als die meisten rechnen. Man liest oft „ein Decoder je Weiche" und multipliziert. Ein Vierfach-Baustein schaltet aber vier Antriebe: Bei zwölf Antrieben stehen 105,66 € (drei Bausteine) gegen 459,24 € (zwölf Einbau-Decoder) — Faktor 4,3.

Aber nicht jeder Baustein schaltet jeden Antrieb. Das ist die Falle hinter der Falle. Die gängigen Weichendecoder sind Doppelspulen-Bausteine; ein motorischer Unterflurantrieb (Tillig 86112 etwa, den sechs Systeme unseres Bestands benutzen) lässt sich damit nicht schalten. Dasselbe gilt analog: Manche Stellpulte setzen Antriebe mit Endabschaltung voraus. Bevor du einen Baustein kaufst, prüf also nicht nur die Kanalzahl, sondern die Bauart deines Antriebs.

Die offene Stelle: Roco Line und Rocoline fehlen

Ehrlich gesagt: Diese Tabelle ist noch nicht vollständig, und die Lücke ist eine relevante. Roco Line und Rocoline mit Bettung fehlen — nicht, weil sie schlecht wären, sondern weil in unseren eigenen Daten mehrere Teile keine echte Hersteller-Artikelnummer tragen (interne Kennungen wie D4, D8). Ohne Artikelnummer kein Preis, ohne Preis keine Summe.

Beide sind ernstzunehmende Kandidaten: Rocoline reicht bis 1962 mm Radius — mehr als jedes andere System im Test — und beide führen Flexgleis und Doppelkreuzungsweiche. Wer sie auf der Liste hat, sollte sie nicht wegen ihres Fehlens hier abhaken. Wir tragen sie nach, sobald die Nummern gepflegt sind.

Für die USA gibt es aus demselben Grund keine Summe: Der dortige Händler verkauft Gleise überwiegend als Packung, und die Stückzahl steht nur im Produkttitel. Daraus zu rechnen hieße raten — das lassen wir lieber leer. Und für UK steht bisher eine einzige Summe (Peco Setrack, ab 195,30 £); dort führt keiner unserer Händler ein Stellpult, deshalb das „ab".

Was in den Zahlen nicht steckt

Die Beträge vergleichen blankes Gleis mit Bettungsgleis, nicht mit fertig geschottertem Gleis. Für ein System ohne Bettung kommen Bettungsband, Schotter und Kleber dazu — rund sieben Meter Gleis bei dieser Anlage. Das Bettungsband lässt sich rechnen (Kork, 3 m je Packung, ab 16,63 €); bei Schotter und Kleber nennt kein Hersteller eine Reichweite in Metern Gleis. Diese beiden Posten weisen wir deshalb als „Preis bekannt, Menge unbekannt" aus, statt eine Zahl zu erfinden.

Und: Preise ändern sich. Der Stand oben ist der 29. September 2026. Wir rechnen den Datensatz neu, wenn sich die Datenlage ändert — die Zahlen hier sind ein Auszug daraus, keine handgepflegte Liste. Die Kostenspalte in der Kaufberatung rechnet sogar täglich neu; weicht sie vom Beitrag hier ab, ist sie die jüngere Zahl.


Die ganze Entscheidungskette — Zweileiter oder Mittelleiter, mit oder ohne Bettung, Profilhöhe, Weichenformen, welches System noch hergestellt wird — steht in unserer Kaufberatung: Welches Gleissystem passt zu dir?

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