Gleissystem-Vergleich H0 2026: Was dieselbe Anlage in sechs Systemen kostet
„Welches Gleissystem ist das beste?" ist die meistgestellte Einsteigerfrage — und die am schlechtesten beantwortete. In den Foren wird argumentiert. Wir haben stattdessen gerechnet.
Dafür bauen wir in jedem System dieselbe kleine, aber vollständige Anlage: ein Oval, ein Ausweichgleis, ein Abstellgleis — drei Weichen, rund 2,2 × 0,9 Meter. Dann zählen wir, welche Teile das System dafür braucht, und legen die Tagespreise eines echten Händlers darüber.
Das Ergebnis
Stand 11. August 2026 · Modellbahn Union · Euro · Region DACH
| System | Teile | Kosten |
|---|---|---|
| Piko A | 35 | 226,36 € |
| Peco H0 Code 100 Setrack | 31 | 244,30 € |
| Tillig H0 Elite (Code 83) | 37 | 258,35 € |
| Piko A mit Bettung | 35 | 276,18 € |
| Roco geoLine | 39 | 283,93 € |
| Märklin C | 37 | 437,56 € |
Zwischen dem günstigsten und dem teuersten System liegen 211,20 € — für exakt dieselbe Anlage. Das ist fast das Doppelte.
Drei Dinge, die man daran ablesen kann
Teilezahl und Preis laufen gegeneinander. Peco Setrack braucht mit 31 Teilen die wenigsten und ist trotzdem teurer als Piko A mit 35. Wer Systeme über „wie viele Teile brauche ich" vergleicht, liegt daneben — und wer sie über den Preis eines einzelnen Bogens vergleicht, ebenfalls. Nur die fertige Anlage beantwortet die Frage.
Märklin C ist am teuersten — und der Grund sind die Weichen, nicht das Gleis. Die drei schlanken Weichen kosten je 38,69 €, dazu je Weiche ein Antrieb (19,99 €) und ein Decoder (38,27 €). Allein dieser Block ist rund 290 € — mehr als die gesamte Piko-A-Anlage. Wer C-Gleis fährt, bezahlt die Betriebssicherheit des Mittelleitersystems an genau dieser Stelle.
Bettung kostet Aufpreis — messbar. Piko A und Piko A mit Bettung sind dieselbe Anlage in derselben Größe. Die Bettungsvariante kostet 49,82 € mehr, also gut 22 %.
Warum dieser Vergleich anders ist
Eine Stückliste aus Zielmaßen zusammenzurechnen ist einfach — und kann Teile enthalten, die sich nie zu einer geschlossenen Anlage fügen. Ein Oval geht nur auf, wenn die Bogenwinkel 360° ergeben; ein Ausweichgleis nur, wenn es einen Bogen gibt, der den Weichenabzweig genau wieder parallel legt.
Deshalb wird die Anlage in jedem System wirklich gebaut und geprüft: Jede Verbindung muss deckungsgleich sein, der Ring muss schließen, das Ausweichgleis muss an beiden Weichen ankommen. Was nicht schließt, taucht hier nicht als Zahl auf.
Fünf der sechs Anlagen kannst du dir direkt ansehen — echte Pläne, drehbar, mit Stückliste:
Welches System für wen?
Wenig Budget, feste Anlage, soll echt aussehen → Piko A. Günstigstes System im Test, Flexgleis vorhanden, Doppelkreuzungsweiche im Programm. Rechne Kork und Schotter dazu (siehe unten).
Aufbauen, abbauen, Kinder, schnell fahren → Piko A mit Bettung oder Peco Setrack. Bettungsgleis ist trittfester und betriebssicherer; der Aufpreis liegt bei rund 50 €.
Märklin-Fahrzeuge im Schrank → Märklin C, aber mit offenen Augen. Die Entscheidung Mittelleiter fällt ohnehin über die Fahrzeuge, nicht über das Gleis. Kalkuliere den Weichenblock von Anfang an ein.
Der Posten, den fast alle vergessen
Bei 38 von 59 Systemen ist der Weichenantrieb nicht dabei: Die Weiche liegt als Handweiche im Karton. Ein mittlerer Bahnhof hat schnell zwölf Weichen — bei Märklin C rund 240 € allein für die Antriebe.
Zwei Fallen dabei:
„Eine Weiche = ein Antrieb" stimmt nicht immer. Eine Dreiwegweiche braucht zwei Antriebe, eine doppelte Gleisverbindung bis zu vier. Wer nach Weichenzahl kalkuliert, rechnet ausgerechnet die teuersten Bauteile zu billig.
Digital ist billiger, als die meisten rechnen. Man liest oft „ein Decoder je Weiche" und multipliziert. Ein Vierfach-Baustein schaltet aber vier Antriebe: Bei zwölf Antrieben stehen 105,66 € (drei Bausteine) gegen 459,24 € (zwölf Einbau-Decoder) — Faktor 4,3.
Die offene Stelle: Roco Line und Rocoline fehlen
Ehrlich gesagt: Diese Tabelle ist noch nicht vollständig, und die Lücke ist eine relevante. Roco Line und Rocoline mit Bettung fehlen — nicht, weil sie schlecht wären, sondern weil in unseren eigenen Daten mehrere Teile keine echte Hersteller-Artikelnummer tragen (interne Kennungen wie D4, D8). Ohne Artikelnummer kein Preis, ohne Preis keine Summe.
Beide sind ernstzunehmende Kandidaten: Rocoline reicht bis 1962 mm Radius — mehr als jedes andere System im Test — und beide führen Flexgleis und Doppelkreuzungsweiche. Wer sie auf der Liste hat, sollte sie nicht wegen ihres Fehlens hier abhaken. Wir tragen sie nach, sobald die Nummern gepflegt sind.
Für die USA gibt es aus demselben Grund keine Summe: Der dortige Händler verkauft Gleise überwiegend als Packung, und die Stückzahl steht nur im Produkttitel. Daraus zu rechnen hieße raten — das lassen wir lieber leer.
Was in den Zahlen nicht steckt
Die Beträge vergleichen blankes Gleis mit Bettungsgleis, nicht mit fertig geschottertem Gleis. Für ein System ohne Bettung kommen Bettungsband, Schotter und Kleber dazu — rund sieben Meter Gleis bei dieser Anlage. Das Bettungsband lässt sich rechnen (Kork, 3 m je Packung, ab 16,63 €); bei Schotter und Kleber nennt kein Hersteller eine Reichweite in Metern Gleis. Diese beiden Posten weisen wir deshalb als „Preis bekannt, Menge unbekannt" aus, statt eine Zahl zu erfinden.
Und: Preise ändern sich. Der Stand oben ist der 11. August 2026. Wir rechnen den Datensatz neu, wenn sich die Datenlage ändert — die Zahlen hier sind ein Auszug daraus, keine handgepflegte Liste.
Die ganze Entscheidungskette — Zweileiter oder Mittelleiter, mit oder ohne Bettung, Profilhöhe, Weichenformen, welches System noch hergestellt wird — steht in unserer Kaufberatung: Welches Gleissystem passt zu dir?